Der Mythos vom “gesunden Gewicht”

Frau auf Waage

Gesundheit kennt kein Gewicht: Warum dein Körper keine Zahl ist

Die Idee, dass Gesundheit von einem bestimmten Körpergewicht abhängt, ist tief in unserer Gesellschaft verankert. Viele Menschen glauben, dass ein niedriger BMI automatisch gesund bedeutet und ein höheres Gewicht zwangsläufig mit Krankheit gleichzusetzen ist. Doch was, wenn genau diese Vorstellung falsch ist?

Der Mythos vom "gesunden Gewicht"

Die medizinische Forschung zeigt, dass Gesundheit ein komplexes Zusammenspiel aus verschiedenen Faktoren ist – Bewegung, Ernährung, Schlaf, Stressmanagement und soziale Bindungen spielen eine wesentlich größere Rolle als das Gewicht allein. Trotzdem basiert ein Großteil unserer Gesundheitsdebatte auf dem sogenannten Body-Mass-Index (BMI), der für sich genommen wenig über die individuelle Gesundheit aussagt.

Die problematische Geschichte des BMI

Der BMI wurde im 19. Jahrhundert von dem belgischen Mathematiker Adolphe Quetelet entwickelt. Sein Ziel war es nicht, die Gesundheit einzelner Personen zu bewerten, sondern eine einfache Methode zur statistischen Erfassung der durchschnittlichen Körpermaße in einer Bevölkerung zu schaffen. Quetelet war weder Arzt noch Biologe, sondern ein Statistiker, und er erkannte selbst, dass sein Index nicht zur individuellen Gesundheitsbewertung geeignet sei. Dennoch wurde der BMI später von der Versicherungsbranche übernommen und schließlich in den 1970er Jahren von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als medizinischer Standard zur Klassifizierung von Unter-, Normal- und Übergewicht eingeführt.

Ein zentrales Problem des BMI ist, dass er keine Unterscheidung zwischen Muskelmasse und Fettgewebe macht. Das bedeutet, dass viele durchtrainierte Sportler*innen mit hohem Muskelanteil fälschlicherweise als "übergewichtig" oder "adipös" eingestuft werden. Gleichzeitig können Menschen mit niedrigem BMI ungesunde Körperzusammensetzungen haben, etwa durch zu wenig Muskelmasse oder hohe Anteile an viszeralem Fett, das mit einem erhöhten Krankheitsrisiko verbunden ist. Daher gilt der BMI in der modernen Gesundheitswissenschaft als unzureichender Indikator für individuelle Gesundheit.

Wissenschaftlich widerlegt: Gewicht als alleiniger Gesundheitsindikator

Mehrere Langzeitstudien zeigen, dass Menschen mit einem höheren Gewicht nicht zwangsläufig ungesünder sind als solche mit einem niedrigeren Gewicht. Eine große Metaanalyse aus dem Jahr 2013, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Journal of the American Medical Association (JAMA), ergab, dass Menschen mit einem BMI im "Übergewichtsbereich" eine ähnliche oder sogar höhere Lebenserwartung haben können als solche mit einem als "normal" eingestuften BMI (Flegal et al., 2013). Entscheidend für die Gesundheit sind viel mehr die individuellen Lebensgewohnheiten: Bewegung, Ernährungsweise, mentale Gesundheit und Zugang zu medizinischer Versorgung.

Bewegung und Fitness sind nicht gewichtsabhängig

Ein weitverbreitetes Missverständnis ist, dass Menschen mit höherem Gewicht sich weniger bewegen oder weniger fit sein können. Doch wer sich mit professionellem Training beschäftigt, weiß: Fitness hat kein Idealgewicht. Es gibt Sportler*innen mit sehr unterschiedlichen Körperformen – von Kraftsport bis Ausdauersport – die leistungsfähig, beweglich und gesund sind. Entscheidend ist nicht das Gewicht, sondern ob der Körper regelmäßig gefordert und trainiert wird.

Diätkultur und ihre Gefahren

Viele Menschen, die sich in ihrem Körper nicht wohlfühlen, greifen zu Diäten – und werden Teil einer milliardenschweren Industrie, die genau davon lebt, dass wir unzufrieden mit uns selbst sind. Der Jojo-Effekt ist längst wissenschaftlich belegt: Die meisten Menschen, die eine Diät machen, nehmen langfristig wieder zu. Der ständige Kampf gegen den eigenen Körper kann zu Essstörungen, Stoffwechselveränderungen und psychischen Belastungen führen. Stattdessen zeigt die Forschung, dass eine langfristig gesunde Ernährung und Bewegung – unabhängig vom Gewicht – die besten Prädiktoren für langfristige Gesundheit sind.

Ein neues Verständnis von Gesundheit

Gesundheit kennt kein Gewicht – dieser Satz ist nicht nur eine Haltung, sondern ein wissenschaftlich fundierter Ansatz. Anstatt sich auf die Zahl auf der Waage zu konzentrieren, sollten wir uns fragen: Wie fühle ich mich in meinem Körper? Habe ich Energie? Kann ich mich schmerzfrei bewegen? Habe ich Freude an Bewegung und Ernährung?

Die größte Herausforderung ist es, gesellschaftliche Vorurteile zu hinterfragen. Die Annahme, dass Dicksein automatisch ungesund ist, ist tief in unserem Denken verankert – und hält viele Menschen davon ab, sich mit ihrem Körper zu versöhnen. Doch genau das ist der erste Schritt zu echter, nachhaltiger Gesundheit: den eigenen Körper anzunehmen und ihm das zu geben, was er braucht, ohne sich von unrealistischen Idealen beeinflussen zu lassen.

Fazit: Dein Körper ist kein Gesundheitsmerkmal

Ob du gesund bist, entscheidet nicht dein Gewicht – sondern dein Lebensstil, deine Gewohnheiten und dein Wohlbefinden. Bewegung, Ernährung und mentale Gesundheit sind viel wichtiger als eine Zahl auf der Waage. Dein Kraftklub steht genau für diese Philosophie: Fitness ohne Druck, Yoga ohne Dogma, Training ohne Diätkultur. Denn wahre Gesundheit bedeutet, dich in deinem Körper stark, wohl und lebendig zu fühlen – ganz unabhängig von deinem Gewicht.

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